„Ich möchte nicht für die Zeit verantwortlich sein und immer mit Nazis in Verbindung gebracht werden!“, sagt Hendrik. Johannes sagt: „Ich muss mit den Verbrechen der Großeltern leben.“ Und Justin meint: „Ich will aber auch auf Deutschland stolz sein können, ohne gleich deshalb als Nazi bezeichnet zu werden!“ Warum 22 Schüler der BRL.25-A an diesem 8.Mai 2026 – dem Tag der Befreiung Deutschlands vom Faschismus – darüber sprechen? Figurenspielerin Julia Raab hat dazu mit ihrem Klassenzimmertheater „Im Frühling hat man keine Lust zu sterben…“ angeregt. Sie spielt drei sehr unterschiedliche Frauen: Johanna Lehmann, Hildegard Nagel und Krystina Wituska. Die drei Frauen wurden 1943/44 im Gefängnis „Roter Ochse“ in Halle wegen Kleinigkeiten hingerichtet. Als „Volksschädlinge“ bezeichnet wurden sie aufgrund der damaligen „Verordnung gegen Volksschädlinge“ zum Tode verurteilt. Sorgfältig recherchiert von Julia Raab und Sandra Bringer (Dramaturgin) wurde ein Stück initiiert, das die letzten Stunden der Frauen reflektiert. Abschiedsbriefe werden vorgelesen und die Todesurteile. Doch eine Lesung ist das nicht. Julia Raab spielt unter Verwendung von kleinen Details die Rollen der Frauen, aber auch die Rolle des Richters. Erschreckend wie sie als Richter emotionslos in schnarrendem Ton Anklageschrift und Todesurteile verkündet. Warum sich keiner für die Frauen einsetzte? Keiner sich auflehnt gegen die Willkür und Todesstrafe? Im zweiten Teil des Klassenzimmertheaters sensibilisieren Anja Schwede und Julia Raab als Theaterpädagogen für die Mechanismen, die dahinterstecken. Wie einfach Ausgrenzung ist. Auch die Sprache sorgt für Trennung. Warum wird das Wort „Volksschädling“ verwendet? „Die Entmenschlichung findet zuerst über Sprache statt!“, sagt Julia Raab während sie mit den Schülern im Kreis sitzt. „Was haben die Geschichten mit Euch zu tun?“, fragt sie. Es werden Plätze getauscht, Blicke gewechselt. Wie ist es eigentlich, alleine in der Mitte zu stehen, sich ausgegrenzt fühlen. Florian sagt das Wort mit „Sch…!“ Nicht leicht fällt es, Blicke auch auszuhalten. Unangenehm fühlt sich das an. Und eines ist klar. Es besteht Redebedarf gerade in Zeiten, wo mehr übereinander anstatt miteinander gesprochen wird.
Herzlichen Dank an Julia Raab und Anja Schwede für wunderbare 90 Minuten. Danke an das Netzwerk KreaS (Kreativpotentiale Sachsen-Anhalt) /, das diese kulturelle Bildung innerhalb eines Projektes förderte und finanzierte.
L.Dietsch















